Die Angst vor der ersten Hypnosesitzung

21.02.2012

Bei der erste Sitzung muss ein professioneller Hypnose-Anwender besonders sorgfältig vorgehen. Meistens sind die Klienten vor der Erstbehandlung nervös, da sie nicht wissen, was sie erwartet. Sie stellen sich oft vor, dass ihnen alle Kontrolle entgleitet, dass sie wie Zombies mit einem ausgeschalteten Bewusstsein umhertaumeln, als wären sie Roboter, ja dass sie allem willenlos ausgeliefert sind. Des Weitern meinen Beginners, dass, kaum dass sie in Trance sinken, die inneren Bilder und Erkenntnisse nur so überfluten. Dem ist jedoch nicht so: Jede Erkenntnis, jede Entspannung, jeder weiterführende Schritt will sorgfältig vorbereitet und ausgeführt sein.

Der Schritt ins Unbekannte erleichtert sich wesentlich, indem zu Beginn der Entspannung wohlwollend und achtsam gesprochen wird und mit dem Klienten gemeinsam unter Trance ein Ort der Sicherheit eingerichtet wird. Wenn die zu hypnotisierende Person sich in einem guten Trance-Zustand befindet, so ist er durchaus in der Lage, Fragen zu beantworten und aktiv Prozesse verbal auszuführen.
Der Ort der Sicherheit kann ein fiktiver oder ein realer sein, draussen oder drinnen, er wird jedoch stets mit Attributen der Geborgenheit, Sicherheit und Stille ausgeschmückt. Der Klient ist angehalten, die Details dieses Ortes genau zu beschreiben, Dinge zu verändern, hinzuzufügen, Farben und Gerüche oder gar Begleitpersonen einzufügen. Zweck dieses „mentalen Hafens“ ist es, in anspruchsvollen, schmerzhaften Momenten der Therapie unter Trance einen Rückzugsort zu bilden. Mit diesem Wissen, stärkt sich das Vertrauen des Klienten in zunehmendem Masse, er kann sich einlassen. Die Verantwortung, die der Therapeut trägt, lässt sich mit diesem eleganten Hilfsmittel besser tragen.

Manchmal kommt es vor, dass ein Klient eine so traumatische Thematik erlebt hat und diese so dominant auf seinen momentanen Zustand wirkt, dass er aus eigenen Stücken nicht in der Lage ist, einen derartigen Ort zu gestalten. Oftmals benötigt diese Klientel auch medikamentöse Unterstützung, welche die eigenen Gefühle, Eindrücke und Abläufe stark dämpfen.

In einer derartig heiklen Situation erfordert es besonders viel Fingerspitzengefühl des Therapeuten: Es gilt hier die Regel des Austragens. Es ist absolut bedeutend, so lange sichere Werte zu finden, bis der Klient einen sicheren Ort sein Eigen nennen kann. Es ist legitim, die Praxis-Räumlichkeit des Therapeuten, dort wo er sich mit dem Klienten austauscht, als sicheren Ort zu verwenden, vorausgesetzt der Klient fühlt sich an diesem Ort sicher.

Erst dann darf die Reise angetreten werden, denn dann können sich beide Seiten auf das Auffangnetz, auf den doppelten Boden verlassen.

Sylvia Gloor

2 Kommentare

  • Hallos Barbara,
    ich habe einen Text (Die Angst ver der ersten Hypnosesitzung) bei dir gefunden, den ich – auch deutschmäßig (sagt an chaibe Schwob zuma Schwyzr *g)- richtig gut finde. Ich würde ihn gerne mit Zitat deines Namens in meine Patientenbroschüre einfügen. Vielleicht mit geringen Abweichungen, aber du wirst als Urheber auf jeden Fall erwähnt. Würdest du zustimmen?
    Grüßle Heidemarie

  • Hallo liebe Heidemarie. Ja natürlich – die Hypnose soll ja weiterverbreitet werden. Denn Text ein wenig abändern wäre gut. Einen ganz lieben Gruss.
    Barbara

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