Was tun wenn auch Botox bei Migräne nicht mehr hilft ?

26.06.2012

Schmerzpunkte

Botox – Die beste Medizin?

Mit Botulinumtoxin A, kurz: Botox, werden nicht nur Falten geglättet, in Deutschland ist das „Nervengift“ seit Ende September 2011 offiziell auch zur Linderung der Symptome von Migräne zugelassen. Eine aktuelle Auswertung von Studien zeigt nun: Das Medikament wirkt nur bei chronischer Migräne, also bei Patienten, die an mindestens 15 Tagen im Monat unter den quälenden Schmerzen leiden. Gegen episodische Migräne oder andere Formen von Kopfschmerzen hilft Botox dagegen nicht.

Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) empfiehlt Botox deshalb nur bei häufigen Migräneattacken: „Die Behandlung mit dem Botulinumtoxin sollte auch nur im Einzelfall und von erfahrenen Kopfschmerzspezialisten durchgeführt werden.“

In Deutschland leiden mehr als 10 Millionen Menschen, überwiegend Frauen, unter verschiedenen Arten von Kopfschmerzen. Chronische Migräne, die oft mit Übelkeit, Erbrechen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm sowie Depressionen einhergeht, kann die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Um ihren Alltag überhaupt bewältigen zu können, müssen die Patienten beinahe ständig Medikamente einnehmen. Die Krankheit ist bis heute nicht heilbar – man kann lediglich den Attacken vorbeugen und die Schmerzen lindern.

Eine aktuelle Auswertung verschiedener Studien im renommierten Medizinjournal JAMA zeigte nun, dass lediglich bei der chronischen Migräne eine spürbare Besserung erzielt wird; die Zahl der Krankheitstage pro Monat nimmt im Vergleich zum Placebo-Präparat um durchschnittlich zwei Tage ab. Bei episodischen, d.h. zeitweise auftretenden Kopfschmerzen, verringern sich die Kopfschmerztage im Vergleich zum Scheinmedikament dagegen nicht.

Im Vergleich mit herkömmlichen Medikamenten hinsichtlich der Vorbeugung der chronischen Migräne ist Botox genauso wirksam, hat aber weniger Nebenwirkungen. Unter der Therapie mit Botox kann es selten zu Nebenwirkungen wie dem Absinken des oberen Augenlides, Spannungsgefühlen der Haut, Schmerzen in den Hautnerven, Nackensteifigkeit, Muskelschwäche und Nackenschmerz kommen. „Angesichts dieser Ergebnisse und der oft schwierigen Entscheidung, welchen Patienten Botox verabreicht werden kann, sollte die Behandlung nur in spezialisierten Kopfschmerzzentren durchgeführt werden“, resümiert Professor Diener.

Nach wie vor bleiben also bei der klassischen Migräne die Entspannungsverfahren wie Autogenes Training und Selbsthypnose sowie eine Hypnosetherapie ein Mittel der ersten Wahl.

Quelle:

Frank A. Miltner
Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Teile uns mit, welche Gedanken Du zu diesem Artikel hast. Wir freuen uns auf Dein Feedback!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *