Was feiern wir eigentlich jedes Jahr am 1. August?

01.08.2012

„Die Schweiz“ – war natürlich die spontane innere Antwort darauf.

Klar. – Aber welche Schweiz denn?

Die Schweiz von 1291? – Aber das war die alte Eidgenossenschaft, und die war bekanntlich nicht annähernd das, was wir heute mit dem Begriff „Schweiz“ verbinden.

Wie Sie mit Sicherheit wissen, gehörte der Aargau ja nie zu dieser Eidgenossenschaft;
war vielmehr ein Untertanengebiet, quasi eine Kolonie von einigen Mitgliedsstaaten der Eidgenossenschaft. – Ja, so war das damals!

Wenn wir den 1. August also an der alten Eidgenossenschaft festmachen, dann feiern wir einen Mythos, den wir erst noch einem Deutschen verdanken; nämlich Friedrich Schiller und seinem „Wilhelm Tell“.

Dieser Mythos hat aber mit der realen Eidgenossenschaft nicht sehr viel zu tun.
Und mit der realen Schweiz noch weniger.

Welche Schweiz feiern wir heute also?

Etwa die Schweiz von 1798 oder 1803, die von Napoleon – schon wieder ein Ausländer – gestaltet wurde, Helvetische Republik hiess, den Geist von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ atmete und zu der aus diesem Grund dann auch der Aargau gehörte?

Oder feiern wir die Schweiz von 1848, die auf der von Napoleon geschaffenen Helvetischen Republik gründet, aber die erste „richtige“ Schweiz war,
und sich in freier Selbstbestimmung die erste schweizerische Bundesverfassung gab;
damals eine der fortschrittlichsten Verfassungen überhaupt, und zwar weltweit?

Oder feiern wir etwa einfach immer die Schweiz des letzten Jahres? Wenn dem so wäre, dann kann ich nur sagen: „Ubs – da gäbe es dieses Mal aber nicht viel zu feiern.“

Welche Schweiz feiern wir heute also?

Sie sehen, die Frage mag zwar ketzerisch sein, sie ist aber keinesfalls so leicht zu beantworten, wie es im ersten Augenblick den Anschein macht.

Denn die Schweiz ist eine Idee und ein politisches Gebilde, das sich immer wieder verändert und gewandelt hat. Zum Teil dramatisch gewandelt hat.

Und insbesondere die Identität „der Schweiz“, machte in den letzten 200 Jahren wohl dieselben, enormen Wandlungsprozesse durch wie die gesamte westliche Kultur,
zu der sie ja ohne Einschränkung gehört.

Und sie wird sich auch in Zukunft weiterhin verändern, „die Schweiz“. Genauso wie Kultur und Zivilisation sich wandeln werden, genauso wie die Welt insgesamt sich stark verändern wird.
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Vielleicht feiern wir am 1. August aber gar nicht einfach nur „die“ Schweiz“ als Nation Schweiz; auch wenn wir den heutigen Tag Nationalfeiertag nennen.

Vielleicht feiern wir am heutigen Tag mehr ein uns sehr wichtiges Gefühl, das wir mit dem Wort „Schweiz“ verbinden – nämlich: Freiheit!

Ich persönlich glaube, dass wir am 1. August vor allem die Freiheit feiern.

Und das völlig zu Recht!

Denn die Freiheit ist etwas vom Zentralsten im menschlichen Leben überhaupt.
Und sie ist von zentraler Bedeutung für die menschliche Entwicklung überhaupt.

Nicht nur für die Entwicklung von Gesellschaften oder Nationen.
Sondern genauso für die Entwicklung jedes einzelnen Menschen.

Denn Freiheit ist die unabdingbare Voraussetzung für die Entwicklung des menschlichen Denkens, des Bewusstseins – des Geistes.

Denn Freiheit heisst: Frei denken zu können. Frei entscheiden zu können. Frei bestimmen zu können. Frei handeln zu können.

Und durch die Freiheit des Denkens, des Entscheidens, des Bestimmens und Handelns
schliesslich immer klarer zu erkennen, was richtig ist und was falsch.

Je mehr die Freiheit eingeschränkt wird durch Verbote, Vorschriften, Regeln oder auch durch starre Traditionen, umso weniger Möglichkeiten bestehen für den Menschen herauszufinden was funktioniert – und was nicht.

Herauszufinden, was konstruktiv ist und weiter führt. Und was destruktiv ist, nur zerstörend. – Herauszufinden letztlich, was in diesem Sinne gut ist und was böse.

Wie wir schon aus der Paradieses-Geschichte der christlichen Bibel wissen, hat der Mensch sich diese Freiheit genommen, obwohl Gott sie im verboten hatte.

Und warum hatte Gott sie verboten?

Ich denke weil er wusste, was für ein langwieriger, risikoreicher, schwieriger und auch leidensvoller Weg es für den Menschen werden wird, bis er endlich herausgefunden haben wird, was tatsächlich „Gut“ ist, und was tatsächlich „Böse“.

Heute wissen wir durch die Erkenntnisse der Tiefenpsychologie, dass der Mensch gar nicht anders konnte, als gegen Gottes Verbot zu handeln. Dass er frei sein muss in seiner Entscheidung. Dass dieser Wille zur Freiheit quasi bereits auf der Instinktebene des Menschen angelegt ist.

Und weil dies so ist, wird kein auf Macht basierendes System, sei es politischer, religiöser, wirtschaftlicher oder sonst welcher Art, dass die Freiheit des Menschen unterdrückt, letztlich auf Dauer Bestand haben. – Niemals!

Denn der Mensch wird über kurz oder lang jedes solches System selbst wieder zerstören, es abschütteln; weil er gar nicht anders kann.

Denn Freiheit ist die Voraussetzung für die Entwicklung und Ausweitung des Denkens, und die permanente Weiterentwicklung der geistigen Fähigkeiten des Menschen.

Und diese Entwicklung ist sowohl Teil wie auch Triebkraft der Evolution des Menschen. Denn Evolution findet nicht nur auf der von Darwin beschriebenen Ebene
des physischen, organischen Lebens statt. – Sie findet genauso statt im Bereich des Denkens, des Bewusstseins.

Auch wenn der Sarkastiker hier einwenden mag, dass von dieser Entwicklung oft nicht sehr viel zu spüren ist.

Aber sie findet statt. – Das zeigt die kulturhistorische Entwicklung sehr klar.

Was aber auf der individuellen Ebene Jahrzehnte dauern mag, das dauert auf der allgemein-menschlichen Ebene halt Jahrhunderte; und manchmal gar Jahrtausende.
Und wie jeder natürliche Wachstumsprozess, erfolgt auch das Wachstum des menschlichen Geistes, des Bewusstseins, nicht linear sondern in Schüben.

Und ist verbunden mit Zuständen und Erscheinungen wie: Aggression und Destruktivität, Unsicherheit, mit Ängsten, Zerrissenheit und Desorientierung.

Dies scheint der Preis zu sein, den der Mensch für seine Freiheit zu leisten hat.

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Aus dem Gedanken und dem Willen zur Freiheit ist ursprünglich auch das entstanden, was über viele Jahrhunderte des Kampfes, der politischen Irrungen und Wirrungen, aber genauso auch durch grosse geistige Anstrengungen und Leistungen zu dem wurde, was wir heute wohl am ehesten meinen, wenn wir im staatspolitischen Sinne von „der Schweiz“ sprechen.

Zu den grossen geistigen Leistungen zählte zum Beispiel die Bundesverfassung von 1848, deren Inhalte auch heute noch das verfassungsmässige Rückgrat unseres Staates bilden.

Eine grosse geistige Leistung stellt die Verfassung von 1848 dar, weil sie ebenso von staatspolitischer Klugheit, wie von allgemein weitsichtiger Intelligenz geprägt ist.

In der Einleitung zu dieser Verfassung steht beispielsweise:

- „Im Namen Gottes des Allmächtigen!
Das Schweizervolk und die Kantone,
in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung,
im Bestreben,
den Bund zu erneuern,
um Freiheit und Demokratie, Unabhängigkeit und Frieden
in Solidarität und Offenheit gegenüber der Welt zu stärken,
im Willen,
in gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung ihre Vielfalt in der Einheit zu leben,
im Bewusstsein der gemeinsamen Errungenschaften und der Verantwortung gegenüber den künftigen Generationen,
gewiss,
dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht,
und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen“ -
Diese Sätze stehen auch heute noch in unserer Bundesverfassung. Und sie sind inhaltlich aktueller denn je, haben in keinster Weise auch nur einen Jota an Bedeutung, an Relevanz eingebüsst.

Denn hier stehen die zwei Begriffe, welche die Grundpfeiler jeder Demokratie bilden:

Freiheit und Verantwortung!
Diese beiden Begriffe werden nicht nur für die Weiterentwicklung von Gesellschaft, Kultur und Zivilisation in unserem Lande die wichtigsten sein. Sie werden für die weitere Entwicklung der Menschheit überhaupt die wichtigsten sein: Freiheit und Verantwortung.
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In der Schweiz, in den demokratischen Gesellschaften generell, beanspruchen wir die Freiheit heute als ein unabdingbares Recht.

Gut so! – Denn das ist sie auch. – Ein unabdingbares Recht.

Wir sprechen auch viel von anderen grundsätzlichen Menschenrechten. Ebenso von besonderen Rechten bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, von Rechten privilegierter oder auch benachteiligter Minderheiten.

Wir sprechen überhaupt viel von unseren Rechten!

Wovon wir aber viel zu selten sprechen, das ist: Verantwortung.

Wir scheinen mehr und mehr zu vergessen, dass erst die Übernahme von Verantwortung schöpferische Teilnahme an der Gestaltung der Welt bedeutet.

Wir scheinen zu vergessen, dass Freiheit und Verantwortung zwei Seiten der gleichen Medaille sind.

Wir scheinen zu vergessen, dass Freiheit ohne Verantwortung zur Farce verkommt; ja, dass sie dann sogar selbstzerstörerirsch wirkt.

Denn ohne die gleichwertige Übernahme von Verantwortung, produziert Freiheit sehr rasch nur noch das individualistische Ausleben egoistischer und infantil-neurotischer Verhaltensweisen, die den Freiheitsbegriff insgesamt ad absurdum führen.

Die Bewusstmachung, dass Freiheit und Verantwortung unmittelbar zusammen gehören, dass sie zwei Seiten derselben Medaille sind, ist aus diesem Grunde die zentrale gesellschaftspolitische Aufgabe in der heutigen Welt.

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Eine globale, vernetzte Welt ist nicht mehr im traditionellen Sinne durch die politischen Systeme kontrollierbar.

Denn wir werden in einen lähmenden Legalismus, wenn wir alles und jedes gesetzlich regeln wollen. Dies führte zwangsläufig zu immer mehr und stärkerer Kontrolle und Überwachung. Damit zu immer mehr Freiheitsbeschränkung – zu Unfreiheit.

Wenn wir die Freiheit hochhalten wollen, wird die Verantwortung des Individuums für das Ganze in Zukunft enorm an Bedeutung gewinnen. Und darum ist es so wichtig, dass wir Verantwortung wahrnehmen. Hier und jetzt und in jeder Rolle:

Als Bürgerinnen und Bürger; als Politikerinnen und Politiker; als Arbeitgeber, Unternehmer oder Manager; überhaupt als Mensch dieser Welt – und für diese Welt.

Das ist zunehmend unsere Aufgabe.

Denn wir Menschen haben uns in den letzten zwei Jahrhunderten ein Wissen und eine Macht verschafft, welche jeder früheren Zeit ebenso unerlaubt wie unmöglich erschienen wären.

Wir haben Waffen gebaut, mit denen wir den grössten Teil des Lebens auf dieser Welt jederzeit vernichten können.

Wir verändern Pflanzen und Tiere – und wohl bald auch den Menschen -, indem wir die Gene manipulieren nach unseren Vorstellungen.

Wir verändern weltweit riesige Landschaftsgebiete, verdrängen immer mehr andere Lebensformen, um genügend Energie und Nahrungsmittel und Raum zu haben für unsere eigene Spezies.

All das bedeutet nichts anderes, als dass wir immer stärker in den Prozess der Evolution eingreifen.

In einem religiösen Sinne gesprochen, dringen wir dadurch in einen Bereich vor, der in früheren Zeiten Gott vorbehalten war. Heute nun gilt es zu erkennen, dass mit unserem Machtzuwachs auch die Übernahme einer Anforderung verbunden ist, die früher bei Gott allein lag; nämlich: evolutionäre Verantwortung.

Das heisst, Verantwortung zu übernehmen für die Evolution auf diesem Planeten.

Wir leben heute in dieser Zeit. – Ich, Sie, ihre Kinder und ihre Enkelkinder.

Einer Zeit, wo die Menschheit als Ganzes in eine neue Phase in ihrer Entwicklung hineinwächst.

Einer Zeit, wo die Aufgabe darin besteht, bewusst evolutionäre Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst, für die Menschheit, für das Leben auf dem Planeten Erde allgemein.

Einer Zeit, bewusst zu erkennen, was in diesem Sinne gut ist und was böse; was konstruktiv, was destruktiv.

Man könnte auch einfach sagen: Wir alle leben in einer Zeit, wo die Menschheit erwachsen werden muss.
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Wie jeder natürliche Wachstumsprozess, ist auch dieser Entwicklungsschritt mit Irrungen und Wirrungen verbunden, mit Irrtümern, mit emanzipatorischen Übertreibungen; mit Destruktivität, Unsicherheit, Zerrissenheit und Desorientierung.

Und mit Krisen.

Krisen entstehen dadurch, dass sich wesentliche, entwicklungsrelevante Faktoren verändern und eine entsprechende Anpassung vorgenommen werden muss.

Heute sind es überholte Denkstrukturen, welche die Ursachen der eskalierenden Krisen bilden, denen wir zusehends mehr ausgesetzt sind.

Denkstrukturen, die der Weiterentwicklung von uns selbst, wie auch unseres Gesellschaftssystems und unseres Wirtschaftssystems im Wege stehen.
Max Frisch sagte mal: Eine Krise sei ein produktiver Zustand, man müsse ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Krisen bedeuten nie den allgemeinen Untergang. Genauso wenig ist längerfristig zwangläufig eine Verschlechterung damit verbunden. – Im Gegenteil! – Krisen sind vielmehr das, was letztlich die grössten Fortschritte in der Entwicklung schafft.

Dies gilt sowohl für die Krisen des Einzelnen, wie auch den gesellschaftskulturellen Krisen. Denn beide unterstehen grundsätzlich denselben Wachstumsgesetzen.

Wir dürfen die mit qualitativem Wachstum verbundenen, notwendigen Wandlungs- und Veränderungsprozesse nicht fürchten, sie aus Angst blockieren.

Tun wir dies aber, und stärken veraltete, überholte Strukturen, so wird dadurch der Veränderungsprozess nur künstlich aufgestaut. Und er wird mit umso mächtigerer Gewalt losbrechen, sobald die künstlichen Mauern nicht mehr höher gebaut werden können, die ihn vorübergehend eindämmen.

Nein, wir sollten uns nicht fürchten. Und aus Angst blockieren und zementieren.
Die positive, bejahende Akzeptanz des Prinzips Verantwortung wird zu ganz neuen Möglichkeiten und Entwicklungen führen, zu neuen Ideen, Konzepten und Innovationen. Und dies sowohl im Bereich des technischen wie auch auf dem Gebiet des Sozialen. Und es ermöglicht letztlich eine Wirtschaft auf ethischer Basis. – Damit eine Wirtschaft auf langfristig gesunder Basis.

Das Prinzip Verantwortung hat Innovations- und Chancenpotenzial in höchstem Masse. Ich gehe so weit zu sagen: Es ist die Innovationskraft dieses 21. Jahrhunderts.

Wir sollten darum entwicklungstechnisch notwendige Veränderungen nicht nur zulassen, wie sollten sie vielmehr selbst fördern und selbst gestalten.

Denn nur so, werden wir vom Opfer der Entwicklung zu ihrem aktiven Mitgestalter.

Was wir aber tun müssen ist, den Schwachen zu helfen, die von Krisen in ihren Lebensumständen stark betroffen sind. Ganz im Sinne unserer Verfassung, dass „sich die Stärke des Volkes misst am Wohl der Schwachen“.
Die Orientierung aber, die wir einerseits brauchen um die vor sich gehenden Veränderungen einzuschätzen, sie verstehen zu können; und die wir andererseits brauchen um mit den Anforderungen und Möglichkeiten unserer Zeit konstruktiv umzugehen, diese Orientierung müssen wir heute primär in uns selbst finden – und sie aus uns selbst heraus definieren.

Denn die traditionellen Werte- und Orientierungssysteme bekunden grosse Schwierigkeiten, uns diese Orientierung noch geben zu können. Dies gilt für den Einzelnen wie auch die Gesellschaft insgesamt.

Wir sollten uns bei der Suche nach neuer Orientierung vor allem vom Bewusstsein leiten lassen, dass eine neue, globale Solidarität erforderlich ist. Sowohl zwischen den Menschen dieses Planeten, wie des Menschen mit dem Planeten Erde überhaupt.

Dieses Bewusstsein, dieser Geist, scheint mir entscheidend für unseren Weg in die Zukunft. Die entscheidende Voraussetzung für uns Menschen der Neuzeit, um mit uns selbst und der Welt richtig umgehen zu können.

Für unsere Orientierung brauchen wir aber auch neue, gesellschaftspolitische Visionen. Denn wir müssen in Zukunft viel präziser als heute wissen, wofür wir unsere Mittel und Kräfte – unsere Ressourcen – einsetzen wollen.

Voraussetzung dafür wiederum ist die Vorstellung, in welcher Welt wir eigentlich leben wollen; somit eine Vision der angestrebten Zukunft.

Wir dürfen diese Vision aber nicht einfach passiv von politischen Heilsbringern erwarten. Das hatten wir im letzten Jahrhundert zur Genüge. Und es hat nicht funktioniert; es ging sogar ganz grauenvoll schief.

Nein, wir müssen diese Vision als Menschheit selbst entwickeln. Weltweit und interdisziplinär. Und uns dazu auf breiter Ebene konkret mit Fragen beschäftigen wie:

- Wie soll die Welt aussehen, in der wir in Zukunft leben wollen?
- Welche Werte sehen wir als wichtig an?
– Für welche Werte, setzen wir uns ein?

- Was ist wirklicher, „segensreicher“ Fortschritt; und was ist einfach Fortschritt in der Bedeutung: weg vom Bestehenden?

- Wie ist die Umwandlung in eine auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit für alle hin orientierte globale Kultur erreichbar?

- Wer schafft eigentlich die Realität, in der wir leben?

- Was ist überhaupt unsere Rolle als Mensch und Menschheit in der Welt?

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Ich möchte zum Schluss auf die Frage zurückkommen, was wir am 1. August wirklich feiern.

Ich weiss natürlich nicht was Sie, sehr geehrte Damen und Herren, heute feiern.
Persönlich, feiere ich heute die: Freiheit.

Die Freiheit an sich, wie ebenso die Freiheit in diesem Lande.

Und ich bedanke mich bei den vorangegangenen Generationen für ihren Kampf, den sie für diese Freiheit geleistet haben. Und ihr Engagement für die Gestaltung der spezifischen Form der schweizerischen Demokratie.

Und ich rufe mir in Erinnerung, dass nichts einfach vom Himmel fällt. – Nicht die Freiheit, noch die Demokratie. – Weder die Werte einer Gesellschaft noch ihre Kultur. – Weder das Gute noch das Böse in der Welt.

Und da wir als Schweizer ja ganz eindeutig auch Teil der Menschheit sind, besinne ich mich heute an diesem Nationalfeiertag auch darauf, wie wichtig es für die Zukunft der Menschheit insgesamt ist, dass sie versteht, dass wir nicht einfach einem willkürlich waltenden Schicksal ausgeliefert sind.

Sondern dass wir alle, jeder von uns, die Verantwortung tragen für die Gesellschaft und die Kultur in der wir leben. – Für die Welt in der wir leben. – Und ich bitte darum, dass wir dies jetzt schnell verstehen. Weil es Heute notwendiger und drängender denn je ist, dass wir es verstehen.

Und ich bitte darum, dass wir erkennen, dass wir mit der neuen Macht des Menschen in dieser Welt nur richtig umgehen können im Bewusstsein unserer „Verantwortung gegenüber der Schöpfung“. – So, wie es in unserer Verfassung steht.

Von Andreas Koch

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