Den Köper über die Psyche beeinflussen – Geht das?

14.09.2012

ImmunsystemWas verbirgt sich hinter dem Ausdruck Psychoneuroimmunologie (PNI)?

Sie ist ein Forschungsgebiet, das sich mit der Wechselwirkung von Psyche, Nervensystem und Immunsystem befasst. Der amerikanische Psychologe Robert Ader konnte bereits 1974 nachweisen, dass das Immunsystem mit dem Nervensystem zusammenarbeiten und lernen kann. Dabei kommunizieren die Botenstoffe des Nervensystems und des Immunsystems gegenseitig miteinander und beeinflussen sich. Seit dieser Erkenntnis ist die Psychoneuroimmunologie zu einem wichtigen Gebiet der modernen medizinischen und psychologischen Forschung geworden. Die Psychoneuroendokrinologie bezieht auch noch das Hormonsystem mit ein, welches an dieser Schnittstelle von Körper und Psyche ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Stress, Angst und Depression sind die drei Hauptfaktoren, die die PNI gefunden hat, welche negativ auf das Immunsystem wirken.

Wir alle wissen, dass negativer, langanhaltender Stress (Distress) sich auf zahlreiche Arten körperlich manifestieren kann. Neben den klassischen Stresssymptomen wie Schlaflosigkeit, Verspannungen im Rücken und Kopfschmerzen, wird auch die Abwehr reduziert. Unter langanhaltendem Stress sind wir nicht gut gewappnet gegen Krankheitserreger, die ja ständig um uns sind und werden krank, das sogenannte Open-Window-Phänomen tritt ein.

Wie können wir nun diese Erkenntnisse in der Hypnotherapie nutzen?

Der amerikanische Onkologe Dr. O. Carl Simonton entwickelte eine Methode für Krebspatienten, bei der Bilder für die Immunzellen und Bilder für die Krebszellen gefunden werden. Dabei zeigte sich, dass zum Beispiel Visualisierungen von Krebszellen, welche schwach und ungeordnet sind, gegenüber von Immunzellen, zum Beispiel den weissen Blutkörperchen, die ein riesiges Heer bilden und die Krebszellen überwältigen, hilfreiche Bilder sein können. In der Hypnosetherapie können nun solche Bilder gemeinsam erarbeitet und gezeichnet werden, als Grundlage für die tägliche Selbsthypnose. Selbstverständlich kann diese Methode auch für andere chronische Krankheiten, aber auch leichtere akute Infektionen angewandt werden.

Neben der positiven Wirkung auf den Krankheitsverlauf hat diese Technik den entscheidenden Vorteil die Selbstkompetenz zu verbessern. Gerade bei chronisch kranken Menschen ist das Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins ein ständiger Begleiter. Mit dem aktiven Eingreifen über die in der Hypnotherapie entwickelten Bilder, geschieht so eine entscheidende Veränderung, die sich positiv auf den Verlauf und auf die Krankheitsbewältigung auswirken kann.

Charlotte Lattmann

Literaturhinweis:

  • Ulrike Ehlert und Roland von Känel (Hrsg.) 2011. Psychoendokrinologie und Psychoimmunologie. SpringerVerlag
  • O. Carl Simontonu.a. (2008). Wieder gesund werden. Eine Anleitung zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte und ihren Angehörigen. Rowohlt Verlag

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