Gebärende berichtet …

28.08.2013

Hände und BlumeIm Bereich der Geburtshypnose  arbeiten wir mit einer Methode, die viel Raum für die persönlichen Bedürfnisse der Frau lässt. Tatsache ist, nicht jede Frau ist gleich. Es geschieht immer wieder das es anders kommt. Und auch das ist Geburt.

Gebären heisst nicht nur sich zu öffnen, sondern offen zu sein, für alle Facetten.

Einer der Gründe weshalb ich eine eigene Variante der persönlichen Geburtshypnose entwickelt habe und mich von der klassischen Hypnobirthing Methode distanziere sind  Geschichten wie mir eine Gebärende zukommen liess.

 

 

Auszug aus einem Brief einer Klientin

„Liebe Susanne,

Ich fand die Hypnose bei dir ganz, ganz toll und habe davon in mehreren Hinsichten sehr profitiert. Erstens war sie genau nach meinem Typ. Ich habe vorher und nachher sehr oft gehört, dass ich die Sachen nicht so kognitiv angehen solle, sondern einfach auf mich zukommen lassen solle. Das stimmt zwar durchaus und ich kann davon auch noch vieles lernen, aber ich bin andererseits einfach nicht der Typ dafür. Ich muss über ein Thema relativ viel wissen, um mich sicher zu fühlen und in der Situation dann auch loslassen zu können. Dabei bin ich aber nicht eine Frau, die gerne Ratgeber liest. Ich bin da sehr kritisch und erachte das Meiste als eher dogmatisch und nicht gut begründet. Gerade wenn es um Elternschaft und Babyhandling geht, dann scheint die Welt voller Ideologien zu sein. Ich bin da wohl eher naturwissenschaftlich orientiert. Ich möchte gerne etwas über körperliche und andere Vorgänge wissen, das interessiert mich auch sehr.

Zweitens habe ich in den verbleibenden Wochen gelernt, mich auf etwas einzulassen und auch loszulassen, wenn es anders kommt. Das ist mir in unerwarteter Weise dann sehr zugute gekommen. Und zwar liess sich mein Sohn ziemlich lange Zeit. Nach 15 Tagen fanden sie im Spital, dass sie nun die Geburt einleiten müssten:

Mitten in der Nacht also, nach 15 Tagen über dem Termin, begannen sie mit der Einführung dieser Tabletten, die den Muttermund öffnen sollten. Nach der ersten Tablette geschah nichts, morgens kam dann eine Hebamme und meinte, ich könne jetzt noch Z’morge essen, danach ginge es weiter mit der zweiten. Ich ging dann auf die Toilette und als ich zurückkam, waren etwa sechs Personen im Raum. Eine drückte mich aufs Bett, eine andere zog mir Stützstrümpfe an, eineweitere installierte einen wehenhemmenden Tropf und etwa drei diskutierten, was nun zu tun sei. Nachher erfuhr ich, dass die Herztöne des Babies runtergegangen waren (und dies die Schwesternstation, in der die per Funk übertragene Messung stationiert war, alarmierte) und auch für längere Zeit unten blieben.

Kaiserschnitt – JA oder NEIN?

Offenbar hatte es entweder auf das Mittel oder auf eine kleine Wehe, die ich nicht mal gespürt hatte, ungut reagiert. Die drei Frauen (wahrscheinlich Ärztinnen) diskutierten, ob sie gleich einen Kaiserschnitt machen sollten oder nicht. Als sich die Herztöne etwas beruhigt hatten, stellen sie mich vor die Wahl: entweder weitermachen wie bisher (wobei das schon nicht mehr so war, wie ich es mir vorgestellt hatte, weil ich zwischen wehenhemmenden Mitteln und wehenauslösenden Tabletten rangierte) mit dem relativ grossen Risiko eines Notfallkaiserschnitts, wenn die Herztöne wieder runtergingen oderaber einen “geplanten” Kaiserschnitt zu haben. Etwas vom ersten, was mir dann durch den Kopf ging, war: “Scheisse, die ganze Hypnose und meine Auseinandersetzung mit Geburt und Schmerzbekämpfung war umsonst.” Ichhabe mich dann für einen Kaiserschnitt entschieden, weil mir die Chance, es doch noch normal über die Bühne zu kriegen, sehr, sehr klein erschien. Es hatte ja noch nicht einmal begonnen und schon war ich in diesem medizinischen Klüngel gefangen.

Hypnose – Hilfe bei der Geburt

Ich habe dann relativ rasch gemerkt, dass mir die Hypnose doch sehr geholfen hat, und zwar hat es mich fähig gemacht, mich rasch auf die neue Situation einzustellen. Ich habe gut reagiert, mir eine, zwei Stunden ausbedungen, mich von mehreren Personen aufklären lassen (und zwar nicht, um mir die Vorteile und Gefahren eines Kaiserschnittes erzählen zu lassen, das wusste ich alles bereits, sondern, um das Ganze “setzen” zu lassen). Als ich dann mit dem Bett in den Operationssaal gerollt wurde, war für mich alles in Ordnung, ich war vorbereitet und wusste, was nun geschah. Ich hatte mit der ganzen Geschichte schon fast abgeschlossen, sozusagen mit ihr Friedengemacht. Ich konnte nach vorne blicken, Freude haben, auch wenn es ganz anders gekommen ist, als ich gedacht hätte. Für andere Frauen, habe ich mittlerweile gemerkt, war dasselbe eine so enttäuschende Erfahrung, dasssie sich Jahre später noch Gedanken machen, warum es so gekommen ist, ob es wirklich nötig war etc. Ich habe die zwei Stunden, die mir blieben, genutzt, diese Arbeit zu erledigen und war dann, als es soweit war, mitmir und der ganzen Situation im Reinen. Ich weiss nicht, aber ich glaube, ich hätte das nicht so gut geschafft ohne deine Hilfe resp. die Hypnose.“

Es zählen nicht nur optimale Spontangeburten sondern jede Geburt ist einzigartig, speziell und ein ganz persönlicher Weg ins Leben, ein Weg in eine neue Gemeinsamkeit und einen Start. Es freut mich Frauen in allen Bereichen der Geburt unterstützen zu dürfen und dies auch so weiter zu geben. Wir arbeiten wertfrei. Es geht darum die Geburt als Wunder der Natur zu erhalten, auch wenn der Weg dorthin nicht planbar ist und es manchmal ganz anders kommt. Ich bin überzeugt, dass ein Kaiserschnitt ein Segen ist, wenn es die Situation erfordert oder von der Frau selbstbestimmt wurde. Frau hat immer einen Grund wenn Sie eine Sectio möchte und wenn es die Medizin verlangt dann erst recht. Deshalb ist für uns am IGM das grösste Ziel Frauen in Ihrer SELBSTBESTIMMUNG zu unterstützen auch wenn dies einmal nicht unseren Idealen entsprechen sollte.

Susanne Keller Loomans

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