 | Auf der Suche nach innerem Gleichgewicht Eine Buchbesprechung Elisabeth Gilbert reist in Eat, Pray, Love auf der Suche nach allem quer durch Italien, Indien und Indonesien.
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Als die Autorin mit Anfang 30 vor den Scherben ihrer Ehe steht, die anschliessende Beziehung mit einem anderen Mann ebenfalls in einem Desaster endet, sie von Depressionen, Ängsten und Psychosen geplagt wird, der Scheidungskrieg ihre letzten Nerven blank legt und eine Zitat der Schauspierelin Lily Tomlin, dass alles „erst sehr viel schlimmer wird, ehe es schlimmer wird“ auch bei ihr ein Volltreffer zu sein scheint, beschliesst sie, ihrem Leben eine andere Richtung zu geben und sich aus dem „finsteren Schlund abgrundtiefen Jammers“ selbst zu befreien.
Sie nimmt sich eine einjährige Auszeit und gönnt sich ein spirituelles Reisejahr, um nur Dinge zu tun, die sie sich schon lange wünscht. Seit Jahren wünscht sie sich, die Sprache zu lernen, die sie „schöner als Rosen“ findet, sowie das Abenteuer spiritueller Disziplin zu vertiefen. Liz will lernen, wie man in dieser Welt leben und ihre Freuden geniessen kann, ohne Gott zu vernachlässigen; kurz: weltlicher Genuss und göttliche Transzendenz.
Italien, Indien und Indonesien werden ihre Ziele sein, Länder, deren Kulturen sich traditionell besonders auf die betreffende Sache verstehen: die Kunst des Geniessens, die Kunst der Hingabe und beides miteinander zu verbinden.
Im Märchenland der Sprache in Italien schreibt sich Liz in eine Sprachschule ein und geniesst italienisches dolce vita. Restlos ausgezehrt (sie wog nur noch 40 kg), hat sie nach den vier „auferlegten „Monaten auf Grund des roten Hausweines, Pasta in unglaublichen Mengen und dolce far niente-des süssen Nichtstuns-wieder zwölf Kilo zugenommen („im Grunde entscheide ich mich für ein Doppelstudium- Reden und Essen, mit dem Schwerpunkt auf gelato“).
So langsam spürt sie wieder das Glück in jeder Faser ihres Herzens. Hier in Italien erkennt sie erstmals die Ursache für ihren Zusammenbruch: „ständig überstürtzte Entscheidungen und chaotische Leidenschaften“, die ihr über den Kopf wuchsen. Sie entscheidet sich „für das Glück, anstelle des Leidens“ und schafft sich „Raum für eine unbekannte Zukunft, um dem Leben und seinen Überraschungen wieder eine Chance zu geben.“
Ihre zweite Etappe ist ein indischer Ashram. Hier vertieft sich Elizabeth in Yoga und Meditation und lernt eine tiefe Ebene der Gläubigkeit kennen. Mit Hilfe spiritueller Handlungen versucht sie, ihre neu gefundene Zufriedenheit für immer festzuhalten. Ihre innere Einkehr und ihre daraus entstandene Zufriedenheit stärken sie so sehr, dass sie ihren Aufenthalt im Ashram um weitere drei Monate verlängert und beim Schrubben des Tempelbodens auch „ihre Seele poliert“. Sie erfährt ein Gleichgewicht zwischen Hingabe und Vergnügen.
Die letzten vier Monate ihrer „Auszeit“ verbringt Liz auf Bali. Hier will sie ihren gewonnen inneren Einklang real leben. Und wo wenn nicht hier: Nicht umsonst werden die Balinesen als Weltmeister der Balance bezeichnet. Sie freundet sich mit dem alten Medizinmann Ketut und der Heilerin Wayan an und…verliebt sich wieder.
Eine spirituelle Reisegeschichte, ein Selbstfindungstrip, sogar zum Teil ein religiöses Sachbuch, aber es ist weit weg von New Age und Esoterik. Elizabeth Gilbert betreibt die Suche nach dem Sinn des Lebens zwar mit heiligem Ernst, aber das tut sie mit viel Charme, Mut und ehrlicher Darstellung, in einem entspannenden Mix aus Tragik, Lakonie und Komik. Sie versucht nicht zu missionieren, so dass ihr der nichtreligiöse Leser überallhin gerne folgt. Ein Buch, das der Leserin und dem Leser auch eine Reise zu sich selbst ermöglich! sglo
Taschenbuch Verlag, 2007, 480 Seiten, aus d. Amerikan. V. Maria Mill ISBN-13: 9783833304736
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