 | Die Übertragung: ihre Gründe, Gefahren − und die Lösung. Der Begriff der Übertragung stammt aus der Tiefenpsychologie. Er bezeichnet den Vorgang, dass ein Mensch – meist verdrängte – Gefühle, Affekte, Erwartungen, Rollen, Wünsche und Befürchtungen aus seiner Kindheit unbewusst reaktiviert und auf aktuelle Beziehungen überträgt.
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Solche Gefühle, Affekte, Wünsche, Erwartung usf., waren ursprünglich meist auf die Eltern oder Geschwister bezogen, sie bleiben aber auch nach der Ablösung aus dem Elternhaus in der Psyche präsent. Dieser Situation ist zunächst normal und betrifft die meisten Menschen. Sie kann aber zu erheblichen Problemen und Spannungen führen, wenn übertragene Gefühle in aktuellen Beziehungen einfliessen und von ihrer Art her unangemessen sind.
Die Echtheit von Übertragungsgefühlen erscheint den Betroffenen umso zwingender, weil sich ihre dementsprechenden Gefühle meist auf Personen richten, die sich in einer ähnlichen oder komplementären seelischen Defizitsituation befinden. „Passende" Übertragungspartner erspüren sich gegenseitig unbewusst, und es findet so ein Ping-Pong von Übertragung und Gegenübertragung statt. Die dabei entstehenden Gefühle erscheinen dem jeweils Übertragenden als richtig. Sie entstehen aber aufgrund psychischer Defizite und ihre Ausdrucksform ist meist aggressiv oder autoaggressiv. Aber auch „positive" Gefühle können aggressiven Übertragungen entspringen.
Ein Beispiel: Zuviel Aufmerksamkeit und die zu intensive Pflege eines Kranken können dazu führen, dass dieser immer mehr Pflege braucht. Die pflegende Person empfindet dabei ihre Bereitschaft zur Pflege als echt und liebevoll, die gepflegte Person ihr Bedürfnis nach Pflege als echt und objektiv vorhanden. Dennoch kann eine Übertragung/Gegenübertragung des frühkindlichen „Erdrückende-Liebe-Syndroms" vorliegen, bei dem die Mutter (die Pflegeperson) das Kind zur Bestätigung ihrer eigenen Lebensberechtigung braucht und als abhängigen Säugling behalten will. Das Kind wurde damals am Selbstständigwerden gehindert, die gepflegte Person heute am Gesundwerden. Sie regrediert und verlangt säuglingshaft nach immer mehr Aufmerksamkeit und Pflege. Im Rahmen von Therapien kommt es regelmässig zu Übertragungen. Dabei richtet der Klient bestimmte Gefühle, Erwartungen oder Wünsche auf seinen Therapeuten, die nicht wirklich dem Therapeuten als individueller Persönlichkeit gelten, sondern aus früheren Beziehungserfahrungen des Klienten herrühren. Umgekehrt kann auch der Therapeut Gefühle auf seinen Klienten übertragen; das ist dann der Vorgang der Gegenübertragung. Derartige Vorgänge können ein grosses Hemmnis für eine Therapie sein, darum ist es für die therapeutische Beziehung wichtig, dass Therapeuten sich der Problematik von Übertragung und Gegenübertragung bewusst sind und diese erkennen bzw. vermeiden können.
Alle Übertragungen führen automatisch zu einer partiellen Hypnose, da die ihnen zu Grunde liegenden Defizite aus der frühen Kindheit stammen, und damit in Hypnose (natürliche Kindheitshypnose) geprägt wurde. Das bedeutet auch, dass die Ursachen von Übertragungsgefühlen in Hypnose zugänglich sind und hier auch wieder aufgelöst werden können.
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