Eine Geschichte zur Weihnachtszeit

22.11.2014

 

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Immer, wenn Karl einen Moment zum Ausruhen dringend benötigt, wenn die Informationskanäle zu überfluten drohen, beginnt ihn sein Körper zu warnen…besonders, wenn die Temperaturen wie jetzt zu sinken beginnen, und es kälter und kälter wird und der Winter mit der Weihnachtszeit einbricht. Dann spürt Karl ein wenig das Knie, hier einen Stich, dort ein Zwicken in der Schulter, und auch sein Gemüt ist gar nicht mehr im Gleichgewicht zu halten.

Dann führt ihn der Weg stets von neuem ans Wasser, über die spiegelglatten Flächen, die den klaren Himmel widerspiegeln.
So sitzt Karl auch heute wieder einmal am See und schaut im ruhigen Seenspiegelbild, wie schwere Wolke vorbeiziehen. Es ist ihm, als würde er bei jedem Atemzug dieser klaren Seeluft tiefer und tiefer sinken.. Ja, er hat das Gefühl, dass selbst die Wolken tiefer sinken und er sie beinahe berühren kann.

Doch was ist das? Eine Wolke scheint sich zu einem kleinen Schiff zu verwandeln, setzt die Segel auf Kurs geradezu zu ihm hin. Vom Schiff aus winkt ihm eine zarte Schneeflocke zu. Als er nun so tief in sich hineinspürt, ob es denn auch wahr sei, was er sieht, fühlt er an seinem Rücken eine seltsame Veränderung . Es ist, als würden ihm Flügel wachsen und ihn forttragen, geradewegs zum Schiffe hin.

Während er noch über seine Verwandlung staunt, überkommen ihn zugleich tiefe Ruhe und Frieden. Es ist ein Gefühl der Erleichterung. Was eben noch schwer und düster erschien, fällt mit spielerischer Leichtigkeit von ihm ab. Schicht um Schicht fällt von ihm ab, und es wird immer leichter in ihm und um ihn herum. Und eine neue Welle, eine Welle des Vertrauens, strömt in Karl ein und begleitet ihn nun auf seiner magischen Reise.

Wohin die Reise führt, weiss er allerdings nicht. Es ist, als würde er von einer geheimnisvollen Magnetkraft angezogen werden, die von der zarten Schneeflocke ausgeht. Er spürt, wie die Flügel an seinem Rücken grösser und grösser werden, und er immer näher zum Schiff kommt. Mit dem Wachsen der Flügel wird er im gleichen Atemzuge immer leichter, und es ist ihm, als gleite er in eine unendlich grosse Vorfreude. So, als wüsste er, dass nun eine aussergewöhnlich wichtige Begegnung auf ihn warte. Als er schliesslich auf dem Schiff landet, scheint es ihm, als wäre auch er so leicht und zart wie die Schneeflocke, die ihn herbei gewinkt hat. Was ihn besonders erstaunt ist, als die Schneeflocke zu sprechen beginnt, er sie ohne Mühe verstehen kann. Mit jedem Wort, das die Schneeflocke spricht, wird alles in ihm leichter und leichter, und er beginnt zu strahlen und zu leuchten in einem Glanz, den man von Kindern kennt, wenn der Weihnachtsmann mit den köstlichsten Gaben vorbeikommt.

Doch was genau die Schneewolke unserem Helden erzählt hat, wissen wir bis heute nicht. Aber immer, wenn er an die Worte denkt, welche die zarte Schneeflocke ihm in geheimnisvoller Sprache zugeflüstert hat, geht ein tiefes Strahlen von ihm aus, und er wird ganz ruhig und leicht.

Eine kleine Musik dazu, komponiert von Jörg Stolte – bitte hier klicken

 

Sylvia Gloor

Barbara Prinzing

 

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